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„Rechte Sprüche“? – Das ist einen genaueren Blick wert! – Teil 2 |
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Es folgt der zweite Teil der Untersuchung des hochwertigen Werkes „Rechte Sprüche“. Wer den ersten Teil noch nicht gelesen hat, sollte dies zunächst nachholen (s. Nachrichtenbeitrag vom 8.3.2010), um die genauere Betrachtung der kleine Hilfsbroschüre für Pädagogen in vollem Maße genießen zu können.
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Wie steht es denn nun um den „Umgang mit rechtsextremen Äußerungen und Argumenten“ (S. 23 ff)?
Die Autoren erkennen sogleich die Schwierigkeit, die im Umgang mit Argumenten der Nationalisten liegen, denn eigentlich wissen sie darauf nicht in ihrem Sinne zu reagieren.
„Häufig muß man die Erfahrung machen, daß es ausgesprochen schwierig ist, Argumente gegen Parolen und Schlagworte zu vertreten. Denn im Gegensatz zu den zugespitzten rechtsextremen Schlagworten und Parolen sind die dahinterstehenden Themen umfangreich, komplex und müssen differenziert betrachtet werden. Daher kann es auf Parolen so gut wie keine Gegenparolen geben.“
Natürlich ist jedem halbwegs intelligenten Deutschen bekannt, daß hinter Parolen auch komplexe Themen stehen. Doch es sind die kurzen und prägnanten Schlagworte, die sich in die Köpfe einschleusen und nach dem Durchdringen der Inhalte dort und im Herzen festsetzen. Mit den beliebten ‚Nazis raus’-Parolen läßt sich da natürlich nichts machen.
Doch wer sich von ganzem Herzen ein Deutschland für Deutsche wünscht, hat sicherlich mehr verstanden als jemand, der sich an die öffentliche Meinung hängt und ohne einen eigenen Gedanken nur dem Globalisierungs- und Multi-Kulti-Wahn in einem verkorksten System nachjagt, bloß weil die Mehrheit blinder Mitläufer es ebenso macht.
„Als Strategien gegen rechtsextreme Parolen können Logik und direktes Nachfragen eingesetzt werden.“
Leider befolgen die Gutmenschen (selbst unter Erwachsenen) nur selten diesen Rat – vermutlich aus Angst davor, gegenüber rechten Argumenten nicht bestehen zu können. Es wird i.d.R. vorgezogen, rechtes Gedankengut zu ignorieren oder aber gewaltsam und mit Verboten zu unterdrücken. Vielleicht ist das mit der o.g. „Logik“ gemeint ...
Ein paar tolle Tips „für die Auseinandersetzung mit Jugendlichen, die rechtsextremes Gedankengut vertreten“, gibt es dann gleich hinterher (S.25). So wird vorgeschlagen, den Gegenüber durch Fragen zu verunsichern. Das ist eine bemerkenswerte Taktik, denn es wäre höchst interessant zu wissen, wie man jemanden, der eine klare Überzeugung hat, mit Fragen verunsichern soll.
Weiterhin wird angeregt, „nicht mit dem Wortführer (zu) diskutieren, sondern sich an die Zuhörer (zu) wenden“. Ich wüßte nur zu gerne, warum das hilfreich sein soll. Ich finde keine Erklärung außer der, daß es dem Pädagogen oder sonstigen Gesprächspartner eines rechtsgesinnten Jugendlichen u.U. Probleme bereiten könnte, mit dem Wortführer eine objektive Diskussion führen zu können. Die Furcht vor durchdachten und sinnvollen Argumenten scheint so groß, daß sich der Erwachsene im Gespräch mit Jugendlichen an die vermeintlichen schwächeren wenden soll, anstatt sich auf ein sicherlich interessantes verbales Duell mit dem Redensführer einzulassen.
Zudem soll man „Humor einbringen“ und „Konsequenzen aufzeigen (Straftatbestände)“.
‚Ha ha, und wenn Du nicht mit Deinen rechten Sprüchen aufhörst, ha ha, dann kommst Du ins Gefängnis, weil man halt in der BRD nicht offen sagen darf, was man will, he he!’
Oder wie ist das gemeint?
Besonders amüsant ist das Kapitel „Fallbeispiele“ (S.29 ff), welches sich damit befaßt, wie man als Pädagoge z.B. auf „Schmierereien auf der Schultoilette“ zu reagieren hat. So wird dem Lehrer auferlegt, bei der Feststellung rechter Parolen oder Symbole auf der Schultoilette, diese Schmierereien zu dokumentieren, einen Gesprächstermin mit der Schulleitung und den Eltern des betroffenen Schülers zu vereinbaren, die Schmiererei von dem Schüler entfernen zu lassen und ihn auf mögliche Konsequenzen im Wiederholungsfall hinzuweisen, zudem ein Gespräch mit der Klasse über die Thematik zu führen, einen Elternbrief diesbezüglich zu verfassen (oder direkt einen Elternabend zu veranstalten) und im Kollegium abzusprechen, daß alle vergleichbaren Vorfälle an der Schule ebenso geahndet werden.
Puh, ist es da nicht einfacher, das kleine Kreuzchen mit den Haken einfach zu übersehen? Aber nein, das fördert nur die Erkenntnis der Schülerschaft, daß ein solches Verhalten geduldet wird. Also läßt man alle unterrichtlichen Pflichten erst einmal außer acht, um Gespräche zu führen, Elternbriefe zu verfassen und endlos über die bösen Machenschaften eines pubertierenden Jugendlichen zu diskutieren. Und der kleine pickelige Peter wird beim nächsten Mal lieber sexistische Bildchen und Witzchen auf der Toilette hinterlassen, da es schließlich keine Broschüre über sex-extremistische Schmierereien auf Schultoiletten gibt und diese Tat somit auch weniger Aufstehen erregen würde. Oder aber er beleidigt einmal mehr die dicke Berta, die als ‚Mobbingopfer’ ohnehin immer herhalten muß. Auch das würde nicht solch nervige und unterrichtszeitraubende Konsequenzen mit sich bringen wie eine kleine schwarze Sonne, die er ja eigentlich aus esoterischen Beweggründen an die Wand gemalt hatte ...
Neben gefährlichen Schmierereien auf der Schultoilette kann es aber auch passieren, daß einige Schüler plötzlich „T-Shirts von Musikgruppen (...), die Ihnen unbekannt sind“, tragen. In diesem Fall soll man auf jeden Fall die Eltern informieren. Neben den unbekannten Musik-Hemden „tauchen die Schüler jetzt mit Springerstiefeln (und) ‚Bomberjacken’“ auf. Hierzu wird folgender Hinweis gegeben:
„Lassen Sie auf jeden Fall die Kleidung auf links wenden oder etwas darüber ziehen, ggf. können Sie den Schüler auch zum Umziehen nach Hause schicken!“
He he, wer hat schon mal eine auf links gewendete Bomberjacke gesehen? Schwierig wird dieses Wenden aber vor allem bei den Springerstiefeln ...
Übrigens sollte man als Pädagoge nach der gemeinsamen unterrichtlichen Recherche im Weltnetz unbedingt die von den Schülern aufgerufenen Netzseiten prüfen, schließlich könnte sich ein Schüler auf Seiten mit rechtem Gedankengut informiert haben. Den Rattenschwanz, der sich einer solchen Untat anhängt, muß ich wohl nicht erneut erläutern.
Sollte es nun aber gar so weit kommen, daß die Schüler z.B. im Rahmen des WiPo-Unterrichts erklären, „daß sie bei der kommenden Kommunalwahl geschlossen die Kandidaten der rechtsextremen Partei wählen wollen“, so wird auch jegliche politische Neutralität seitens der Schule hinfällig und es muß unbedingt eingegriffen werden. Da ist natürlich Hilfe von außen gefragt, der Pädagoge soll sich einen externen Referenten zum Thema suchen, und außerdem „einen Vergleich von Programmen rechtsextremer und demokratischer Parteien im Unterricht vorbereiten“.
Nun ja, die Behandlung der Parteiprogramme aller zur Wahl stehenden Parteien sollte – gerade im Rahmen einer bevorstehenden Wahl – auf jeden Fall Bestandteil des WiPo-Unterrichts sein. Und wenn dies auf neutraler Basis erfolgt, so sollten insbesondere die wahlberechtigten Schüler selbst wissen, welcher Partei sie ihre Stimme geben wollen. Und wenn das Programm einer rechten Partei nun einmal eine große Anzahl von Schülern anspricht, dann kann man doch nur gratulieren!
Was bleibt nun noch zu sagen? Das aufmerksame Lesen der Broschüre „Rechte Sprüche in der Klasse“ ist durchaus erheiternd, allerdings sollte man sich genauestens überlegen, welche Aussagen überhaupt annähernd sinnvoll sind ...
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| Josephine G. |
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