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„Rechte Sprüche“? – Das ist einen genaueren Blick wert! – Teil 1 |
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Im Dezember 2008 brachte der Rat für Kriminalitätsverhütung in Schleswig-Holstein eine Broschüre mit dem Titel „Rechte Sprüche in der Klasse“ heraus. Laut Deckblatt stellt diese Schrift „eine Unterrichtshilfe für Pädagoginnen und Pädagogen zum Umgang mit rechtsextremistisch orientierten Schülerinnen und Schülern“ dar.
Es muß wohl kaum erwähnt werden, daß eine Broschüre über linksextremistisch orientierte Schüler nicht existiert – zumindest nicht im nördlichsten Bundesland Deutschlands.
Seit Einwänden seitens der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands ist der Broschüre ein Beiblatt hinzugefügt, welches sich auf die nicht eindeutige Darstellung der NPD als nicht verfassungswidriger Partei bezieht. Das Ergänzungsblatt beinhaltet außerdem die Tatsache, daß das Verbotsverfahren bezüglich der NPD eingestellt wurde. Dies geht aus der Broschüre ansonsten nicht hervor.
Im Folgenden möchte ich Auszüge der Broschüre genauer betrachten und auf so manche Ungereimtheit u.ä. eingehen. Da dies ein sehr großes Unterfangen ist, wird es sich um einen zweiteiligen Bericht handeln, um die interessierten Leser dieser Zeilen aufgrund des Inhaltsreichtums nicht zu überfordern bzw. zu langweilen.
Die Broschüre gliedert sich in die Inhalte „Hintergrund“, „Was kann Schule machen?“, „Fallbeispiele“ und „Exemplarische Übungen“, und sie enthält einen Anhang u.a. mit Literaturhinweisen und Verweisen auf Weltnetzseiten. Neben verschiedenen Graphiken sind dem Werk Fotos beigefügt: Es werden jeweils aktuelle und ach so fröhliche bunte Multi-Kulti-Bildchen den Schwarz-Weiß-Fotos aus Jahren des Dritten Reiches gegenübergestellt.
Ich möchte bei unserer Betrachtung weniger auf die Hintergründe eingehen, die sich mit Rechtsextremismus im Allgemeinen sowie mit der Rechtslage und Erklärungsansätzen für Rechtsextremismus beschäftigen, vielmehr möchte ich auf Inhalte eingehen, die sich direkt damit befassen, was die Schule machen kann und soll.
Dennoch will ich vorab auf den Punkt „rechtsextreme Strategien – neue Trends“ (S.9) eingehen.
„Häufig treten Rechtsextreme unter dem Deckmantel sozialen Engagements auf, indem sie Schularbeitenhilfen organisieren, Spielplätze säubern, kostenlose Rechtsberatung für Hartz IV-Empfänger anbieten, sich in Elternbeiräten, Freiwilligen Feuerwehren und Bürgerinitiativen engagieren.“
Wie so oft werden Nationalisten als Extremisten und Menschenfänger dargestellt und lediglich auf ihre politische Einstellung komprimiert. Ehrenamtliche Tätigkeiten, nach denen so oft geschrieen wird, werden politisch rechts gesinnten Deutschen also als negativ ausgelegt, obwohl sie mit diesen sinnvollen Tätigkeiten einen durchaus wichtigen Teil zur Verbesserung der Gesellschaft beisteuern. Sicher wäre es dem Gutmenschen lieber, volkstreue Deutsche ganz klischeehaft in Springerstiefeln und Bomberjacken trinkend und pöbelnd auf den Straßen rumlungern zu sehen. Aber das ist nun einmal nicht die Realität! Die Anhänger der sogenannten „rechtsextremen Szene“ setzen sich für ihre Interessen ein – und dazu gehört nun mal, das Leben in Deutschland zu verbessern. Was ist daran verwerflich?
„Was kann und soll Schule machen?“ Diese Frage setzen die Autoren als Überschrift für das zweite Kapitel ein und gehen in der Folge darauf ein, wie in der Schule präventiv gearbeitet werden kann, aber auch, wie man mit rechtsextremen Äußerungen umzugehen hat. Dies ist auch anhand von Fallbeispielen im dritten Kapitel ein Thema, dessen ich mich annehmen werde.
Zunächst (S.16 ff) werden dem Leser „die pädagogischen Möglichkeiten“ angeboten, die im „universellpräventiven Bereich“ liegen und die „dem sozialen, demokratischen und interkulturellen Lernen im pädagogischen Alltag gebührende Aufmerksamkeit“ schenken. Dazu gehören „Erfahrungslernen in einer demokratischen Einrichtungskultur“, „Förderung politischer und ethischer Urteilsfähigkeit und Handlungskompetenz“, „immunisierende Einsichten vermitteln“, „interkulturelles Lernen fördern“, „interkulturelle Konflikte nicht ‚wegharmonisieren’ oder ‚wegmoralisieren’“, „mit rechtsorientierten Schülerinnen/Schülern im Gespräch bleiben, Widerpart sein“ sowie „das Sozialklima und die Lernkultur entwickeln“.
Diese universellpräventiven Maßnahmen sollen Bestandteil jeder pädagogischen Einrichtung auf Klassen- und Schulebene sein. Das Ziel ist es augenscheinlich, durch das Vorleben einer Demokratie in multikulturellen und allseits – bloß nicht für Nationalisten – offenen Klassen bei den Kindern und Jugendlichen jegliches rechtes Gedankengut bereits im Keim zu ersticken. Ganz nach dem Vorbild des BRD-Systems, wo den Bürgern ja auch die Weltoffenheit und ach so herrliche Multi-Kulti-Gesellschaft als Ideal vermittelt werden soll, um die volkstreuen Deutschen möglichst klein zu halten, wird nun also im Gesellschaftsableger Schule bereits die gleich einseitige Erziehung zum Duckmäuser-Bürger und Ja-Sager erzwungen. Kein Platz für die eigene Meinung – außer diese entspricht der Meinung der leider vorhandenen Hoheit globalisierungsliebender Umerzieher.
Es wird in der Folge aber auch darauf hingewiesen, daß „die Schule allein häufig überfordert“ ist, wenn „sich bereits ein harter Kern oder eine rechte Szene herausgebildet“ hat. Dann werden „Unterstützung und Hilfe von außen“ benötigt. Hier stünden Polizei, Kirche, Kommunalpolitiker und verschiedene Verbände in der Pflicht, die Schule zu unterstützen.
Die Pädagogen werden in der Broschüre zur Selbstreflexion angeregt (S.20 f) – mit dem Ziel, „sich bewußt (zu) werden, wodurch sie sich provozieren lassen oder in Hilflosigkeit geraten und dementsprechend mit ihren ‚wunden Punkten’ auseinandersetzen“. Als Pädagoge soll man sich Selbstreflexionsfragen wie die folgenden stellen:
„Was bedeutet ‚deutsch sein’ für mich? (...) Gibt es Personen, Dinge, Kunst, politische Bewegungen ..., auf die ich mich als Deutsche/r positiv beziehen kann? Wie bin ich in meinem bisherigen Leben mit den dunklen Seiten der deutschen Vergangenheit umgegangen? Was empfinde ich, wenn Jugendliche sich mit nationalen Symbolen schmücken? Wie stehe ich zur Beflaggung an Autos zur EM/WM? Was verbinde ich mit dem Begriff ‚Heimat’? (...)“
Hoffentlich erwischen die aufgeklärten Pädagogen sich nicht dabei, daß sie positive Empfinden in Bezug auf ‚Heimat’ oder ‚deutsch sein’ haben, daß sie womöglich etwas entdecken, worauf sie sich als Deutscher positiv beziehen könnten! Erkennt ein Pädagoge also einen gewissen Nationalstolz, einen positiven Bezug zur eigenen Heimat und sieht sich nicht bloß als schuldbewußten Menschen, der sich des Deutschseins und der deutschen Vergangenheit schämt, so sollte er besser seine Berufswahl überdenken und die Schule verlassen, um nicht den ‚One-World’-Liebhabern und antideutschen Gutmenschen bei ihrer Umerziehung im Wege zu stehen.
Nach dieser Selbstreflexion werden die Leser nun darauf aufmerksam gemacht, woran man erkennt, „wie stark Jugendliche schon in die rechte Szene verstrickt sind“ (S.22 f).
Um eben dieses herauszufinden, sollen Pädagogen für die „Ausdrucksweise einer rechtsextremen Orientierung“ sensibilisiert werden. Diese kann sich laut der Broschüre in Kleidung, Symbolen, Musik, Netzseiten, Sprüchen, Meinungsäußerungen und Propagandamaterial bestimmter Organisationen zeigen, aber natürlich muß der nun bezüglich des Rechtsextremismus geschulte Pädagoge auch ein Auge darauf werfen, wie und wo die Schüler ihre Freizeit verbringen und ob sie dort womöglich in rechten Kreisen verkehren. In Verfassungsschutzmanier haben die Pädagogen sich nun also an ihrer Schüler Fersen zu heften, um diese Jugendlichen auszuspionieren?
Natürlich steht in direkter Verbindung zur Ausdrucksweise rechten Gedankengutes die Gewalt, denn wer rechts gesinnt ist, der ist ja schließlich i.d.R. auch gewalttätig bzw. zumindest gewaltbereit.
Auf jeden Fall gilt es für die Pädagogen herauszufinden, ob sich bereits eine rechtsextreme Ideologie in der Weltanschauung der Jugendlichen festgesetzt hat, oder ob es sich bloß um einen Mitläufer aus eher unpolitischen und statt dessen mehr provokativen Beweggründen handelt. Letzterer ließe sich ja leicht umerziehen ...
(Teil 2 folgt schon bald)
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| Josephine G. |
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